Austausch, Dialog und Internationales Netzwerk

Um auf die Herausforderungen im Schutzwald effektive Antworten zu finden braucht es gemeinsame Handlungsansätze. Der Dialog mit lokalen, regionalen, bundesweiten und internationalen Stakeholdern ist bedeutend, um Maßnahmen gemeinsam umzusetzen.

Die Leistungen und auch Probleme von Wäldern sind über Grenzen hinweg ähnlich und der internationale Wissens-, Daten- und Erfahrungsaustausch sind wichtige Bestandteile österreichischer Schutzwaldpolitik.

Der Schutzwald betrifft viele Menschen in Österreich. Es gibt laut Agrarstrukturerhebung rund 140.000 Forstbetriebe im Land. Viele von ihnen, vor allem im alpinen Bereich, besitzen Schutzwaldflächen. Die Österreichischen Bundesforste AG (ÖBf AG) haben mit 154.000 ha (Rechnungshofbericht) die größten Schutzwaldflächen.

Die zuständigen Landesforstdirektionen und deren Bezirksforstinspektionen sind unter anderem für die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen (Forstgesetz), Feststellungsverfahren, Bescheide und Maßnahmenkoordinierung im Schutzwald zuständig.

Weitere wichtige Akteure sind Jägerinnen und Jäger, die den Wildstand bewirtschaften, Freizeitnutzende, die Holzwirtschaft, zivilgesellschaftliche Organisationen, der Umweltschutz, die Landwirtschaft, Infrastrukturbetreibende, die Wildbach- und Lawinenverbauung und einzelne Bürgerinnen und Bürger.

Auf Grund der Vielzahl von Interessenslagen sind Kompromisse und Dialogforen von sehr hoher Bedeutung.

Schutzwaldverein

Der Schutzwaldverein gibt "dem Schutzwald eine Stimme". Die Mitglieder, großteils aus dem Forstbereich, setzen sich unter anderem für die Erhaltung und Verbesserung von Schutzwäldern und Wäldern in sensiblen Bereichen ein. Sie stärken das Schutzwaldbewusstsein in der Öffentlichkeit und der Politik und fördern den Dialog zwischen forstlichen und nichtforstlichen Interessensgruppen. Der Schutzwaldverein erarbeitet zudem Projektunterlagen, Programme und Stellungnahmen zu forstlichen und umweltrelevanten Fragen.

Schutzwaldplattformen

Es gibt in Österreich verschiedene, dezentral organisierte, Schutzwaldplattformen. Sie sind ein Diskussionsforum und führen alle Betroffenen zusammen und machen sie so zu Beteiligten an einer gemeinsamen Schutzwaldbewirtschaftung. In vielen Bundesländern und auf Bundesebene finden in unregelmäßigen Abständen Schutzwaldplattformen statt.

Walddialog

Der Österreichische Walddialog hat zum Ziel, die vielfältigen Interessen an der Nutzung des Waldes zu vereinen und den sorgsamen Umgang mit dem Wald weiterzuentwickeln. Er dient als Vorzeigemodell für Partizipation und multi-Level governance. Ein sehr wichtiges Thema des Walddialoges, ist der Schutzwald. In der Waldstrategie 2020+ werden im Handlungsfeld 5 die strategischen Ziele zur Erreichung der Schutzfunktion der Österreichischen Wälder skizziert.

 

International

EUSALP

Die EU Makroregionale Strategie für den Alpenraum (EUSALP) umfasst die 7 Alpenländer und insgesamt 48 Regionen. Im Rahmen der EUSALP beschäftigen sich 9 Aktionsgruppen mit wichtigen alpinen Themen wie Verkehr, Energie, Biodiversitätsschutz und Klimawandelanpassung.

Die Schutzfunktion der Wälder und die Auswirkungen des Klimawandels haben einen wichtigen Platz in der Aktionsgruppe 8 eingenommen. Im September 2019 hat dazu eine internationale Konferenz stattgefunden. Außerdem befasst sich eine Arbeitsgruppe von Vertreterinnen und Vertretern der Alpenländer mit multifunktionalen Bergwäldern im Klimawandel.

Alpenkonvention

Im Bergwald-Protokoll der Alpenkonvention erkennen die Alpenländer an, dass der Schutzwald den wirksamsten, wirtschaftlichsten und landschaftsgerechtesten Schutz gegen Naturgefahren leistet. Das völkerrechtlich relevante Protokoll bekräftigt die Schutzwald-Leistungen für den regionalen Klimaausgleich, Luftreinigung, Wasserhaushalt und Naturgefahrenprävention.

Artikel 1 definiert das Ziel „den Bergwald als naturnahen Lebensraum zu erhalten, erforderlichenfalls zu entwickeln oder zu vermehren und seine Stabilität zu verbessern.“ Die Länder verpflichten sich, dass

  • Natürliche Waldverjüngungsverfahren angewendet werden
  • Ein gut strukturierter, stufiger Bestandesaufbau mit standortgerechten Baumarten angestrebt wird
  • Autochthones forstliches Vermehrungsgut eingesetzt wird und
  • Bodenerosion und –verdichtungen durch schonende Nutzungs- und Bringungsverfahren vermieden werde.

In Zeiten von verstärktem menschlichen Einfluss auf unsere Umwelt, werden die Schutzfunktionen und andere Ökosystemleistungen des Waldes wichtiger. Auch auf internationaler Ebene wird der Austausch von Erfahrungen und Politiken, in etwa im Bereich der Klimawandelanpassung, sehr wichtig.

FAO EFC WPMMW

Die Working Party on the Management of Mountain Watersheds (WPMMW) der Europäischen Forstkommission (EFC) wurde bereits in den 1950er Jahren gegründet. Das Sekretariat befindet sich bei der Welternährungs- und Landwirtschaftorganisation FAO in Rom.

Eine Arbeitsgruppe der WPMMW beschäftigt sich seit 2019 explizit mit den Schutzfunktionen von Bergwäldern, den Verbindungen von Wasser und Wald und Lösungsansätzen für die Auswirkungen des Klimawandels auf Berg- und Schutzwälder. Bei der internationalen Gruppe mit Mitgliedern, unter anderem aus der Türkei, Nord Mazedonien, Bulgarien, Tschechien, Norwegen, Österreich, Frankreich, der Schweiz, Italien und Deutschland stehen einerseits der praktische Austausch und andererseits Wissenstransfer und Projektentwicklung im Vordergrund.

Veröffentlicht am 13.03.2020, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)