Wildtiere

Das Nachwachsen der Schutzwälder erfolgt idealerweise durch Naturverjüngung. Dort wo nötig, erfolgen gezielte Nachbesserungen durch Aufforstungen. Damit erreicht man die passende Altersstruktur, sichert die Nachhaltigkeit der Schutzwaldbestände und erhält gleichzeitig die natürliche Baumartendurchmischung.

Die Österreichische Waldinventur und das Wildeinflussmonitoring zeigen, dass Schutzwälder weniger Verjüngungen als Wirtschaftswälder aufweisen. Ein Hauptgrund dafür ist starker Wildeinfluss, der sich in zum Teil zu hohen Schäl- und Verbissschäden manifestiert.

Die Überalterung des Schutzwaldes und die geringe Verjüngung führen dazu, dass in Zukunft wichtige Schutzfunktionen der Wälder nicht mehr gewährleistet sind. Der regional zu hohe Wildeinfluss, oft in den österreichischen Schutzwäldern (mehr Informationen unter Rechnungshofbericht, BFW-Wildeinflussmonitoring, Waldinventur) stellt eine Gefahr für die Stabilität und Resilienz der Schutzwälder dar.

In einigen Gebieten scheinen die Erhaltung und Verjüngung der Schutzwälder bedroht oder eingeschränkt. Laut dem bundesweit durchgeführten Wildeinflussmonitoring sind circa 70 Prozent aller nachwachsenden Bäume im Schutzwald von beeinträchtigenden Wildtiereinflüssen betroffen. Verbiss und Schälung führen zu einem Mangel an Jungbäumen. Über den Handlungsbedarf und sinnvolle Lösungsansätze entsteht zwischen Forst und Jagd zunehmend Konsens. Für die Umsetzung nachhaltiger Konzepte bedarf es eines konsequenten auch Revier übergreifenden Wildtiermanagements.

Schutzwaldflächen sind oft in steilen und schwer zugänglichen Lagen positioniert und stellen aus diesem Grund auch wichtige Ruhezonen und Rückzugsgebiete für das Wild dar. Gerade in diesen Schutzwaldbereichen, oft Objektschutzwälder, sind ziel- und zukunftsorientierte Aufforstungs-, Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen zur Stabilisierung der Schutzwirkung unerlässlich.

Die Jagd nimmt Einfluss auf die Höhe und Struktur der  Wildbestände und damit auch auf deren Ökosysteme. Zur optimalen Bejagung besteht ein Koordinierungsbedarf mit anderen Nutzergruppen, wie z.B. zur Land- und Forstwirtschaft, zum Verkehrs- und Siedlungswesen, zu Tourismus und Naturschutz. Zu hoher Wildeinfluss verhindert die gewünschte Verjüngung des Waldes und führt zu einer Minderung des Schutzes vor Naturgefahren. Regionale Studien belegen, dass die Jägerinnen und Jäger ihre Verantwortung zur Erreichung ausgeglichener Wald Wildverhältnisse verstärkt wahrnehmen und damit zur nötigen Trendumkehr beim Wildeinfluss beitragen. Die Jahresbilanzen zum Österreichischen Forst & Jagd Dialog belegen diese wichtigen gemeinsamen Schritte.

Ein großes Problem stellt der selektive Verbiss durch Schalenwild dar, so dass anstatt einer klimafitten durchmischten Baumartenzusammensetzung nur gewisse Arten wachsen. In einigen Bergregionen kann zum Beispiel die Tanne aufgrund von hohem Wilddruck kaum wachsen.

Im österreichischen Walddialog werden Wald-Wild relevante Themenstellungen behandelt und im Jahr 2012 wurde der österreichische Forst & Jagd Dialog ins Leben gerufen. Die partizipativ erarbeiteten „Prinzipien, Kriterien und Indikatoren einer nachhaltigen Jagd“ stellen generell eine wichtige Grundlage dar. Im Jahr 2012 wurde von den Repräsentantinnen und Repräsentanten der Landesjagdverbände und der Forstwirtschaft die „Mariazeller Erklärung“ unterzeichnet. Als Ziel wurde unter anderem festgelegt, dass die Verjüngung der am Standort typischen Baumarten grundsätzlich dem natürlichen Potenzial entsprechend erfolgen kann. Der Schutzwald ist als Schwerpunktthema berücksichtigt.

Die Österreichische Waldinventur (ÖWI) und das Wildeinflussmonitoring (WEM) liefern wesentliche Ergebnisse für zukünftige Lösungsstrategien. Die Wissenschaft gibt bei der Methodenentwicklung entsprechende Hilfestellung, um zukünftige jagdliche Bewirtschaftungsformen bestmöglich für den Wald und insbesondere für die nachhaltige Schutzwirkung zu etablieren.

Die Zusammenarbeit mit der österreichischen Jägerschaft, und auch lokal angepasste Modelle, sind bedeutend um die negativen Wildeinflüsse zu minimieren.

Im Aktionsprogramm Schutzwald werden einige relevante Meilensteine definiert. Diese beinhalten

  • eine enge strategische Zusammenarbeit mit dem Forst & Jagd Dialog
  • Berücksichtigung von wildökologischen Konzepten bzw. Wildtiermanagement im Schutzwald. Die Erkenntnisse aus bisherigen wissenschaftlichen und praktischen Arbeiten und Studien werden genutzt und umgesetzt.
  • ein österreichweites Projekt zur Etablierung von Wildruhezonen im Winter mit einem Betretungsverbot im Einklang mit einer wildökologischen Raumplanung,
  • ein Pilotprojekt zur Erfolgskontrolle von jagdwirtschaftlichen Maßnahmen im Schutzwald und
  • ein Forst- und Jagd-Weiterbildungsprogramm mit Schutzwaldschwerpunkt.
Veröffentlicht am 05.01.2021, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)

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