Baumarten im Schutzwald

Schutzwald besteht aus der Summe seiner Bäume. Die Baumarten haben einen unterschiedlichen „Schutzfaktor“ vor den bestimmten Naturgefahren. Eine wesentliche Aufgabe der Gegenwart stellt die richtige Auswahl der Baumarten für den Schutzwald der Zukunft dar.

Was wir über die Baumarten wissen!

Grundsätzlich gilt ein stabiler und dauerhafter Wald als optimaler Schutzwald. Dies ist der Fall, wenn Bäume verschiedenen Alters und unterschiedlicher Baumart auf kleiner Fläche vorhanden sind, so dass bei großflächigen Schadereignissen wie Stürmen keine großen Lücken entstehen.
Die optimale Baumartenzusammensetzung ist stark abhängig von den drohenden Naturgefahren, von der Seehöhe, Exposition, Hangneigung und Grundgestein.

Um die unterschiedlichen Altersstrukturen aufzubauen und die Naturverjüngung zu fördern, ist zudem eine intensive Bejagung notwendig. Ein hoher Wildbestand schädigt durch Schälung und Verbiss die nachwachsenden Bäume.

Porträt von typischen Schutzwaldbaumarten

Fichte: Die Fichte besiedelt von Natur aus die niederschlagsreichen, mittleren bis höheren Lagen der Mittelgebirge und Hochgebirge. Im subalpinen und montanen Wald baut die Fichte oft natürliche Reinbestände auf und ist in diesen Lagen die wichtigste Baumart des Schutzwaldes. Die Fichte reagiert empfindlich auf Sauerstoffmangel im Wurzelraum und erschließt mit ihren flachen Wurzeln kaum stark wassergesättigte Bodenhorizonte.

Weißtanne: Weißtannen sind im Vergleich zu Fichten besonders stabil, sie sind weniger anfällig gegenüber Sturm, Schnee- und Eisbruch. Die Pfahlwurzel, die Schattentoleranz, die Unempfindlichkeit gegenüber Rinden- bzw. Stammverletzungen und auch die relative Resilienz gegenüber Schadinsekten machen die Weißtanne zu einem Stabilitätsträger im alpinen Schutzwald. Sie bereichert als schattentolerante Art mit lang anhaltender Umsetzungsfähigkeit die Struktur in den zur Gleichaltrigkeit neigenden Fichtenbeständen. Junge Weißtannen werden oft von Wildtieren geschädigt.

Lärche: Die Lärche ist eine wichtige Mischbaumart zur Stabilisierung fichtenreicher Bestände, sie dient wesentlich als Pionierbaumart zur Wiederbestockung von größeren Katastrophenflächen und als wichtige Schutzwaldbaumart an der Waldgrenze, bietet allerdings deutlich geringeren Lawinenschutz als Fichte oder Zirbe. Die Lärche hat einen hohen Lichtbedarf, und ist sowohl gegen Überschirmung als auch seitliche Einengung ihrer Krone empfindlich. Sie ist kaum sturmgefährdet, gilt als schneebruchsicher und relativ unempfindlich gegen Steinschlag.

Zirbe: Die Zirbe ist eine typische Baumart des Gebirgswaldes der Innenalpen. Sie besiedelt Standorte mit extremen Lebensbedingungen wie Waldgrenze, Schutt und Felsstandorte. In hochalpinen Lagen profitiert die Zirbe von ihrer ausgeprägten Pfahlwurzel und dem weit verzweigten Wurzelsystem. Die Seitenwurzeln können mehrere Meter lang werden und verankern sich auch in Felsspalten, was sie besonders sturmfest macht. Die Baumart spielt eine wichtige Rolle im Schutzwald, weil ihr Wurzelsystem den Standort vor Erosion schützt und ihre Krone den Schneedeckenaufbau vermindert.

Rotbuche: Durch ihr natürliches Vorkommen in den submontanen und montanen Lagen ist die Buche eine wichtige Baumart der Schutzwälder in dieser Höhenstufe. Sie kann hohe Stoßbelastungen aufnehmen und neigt durch ihre Wuchsform bei dynamischer Stoßbelastung kaum zu Wipfelbrüchen. Außer auf staunassen oder sehr flachgründigen Standorten ist sie mit ihrer Herzwurzel gut verankert. In Mischung mit Bergahorn und Nadelhölzern (Tanne, Lärche, Kiefer) ist die Buche daher in diesen Höhenlagen gut geeignet für den Schutz vor Steinschlag. Die Buche kann, ähnlich wie die Pfahlwurzler Tanne und Eiche, das Wasser aus tieferen Bodenschichten nutzen und stellt daher eine wichtige Baumart für den Hochwasserschutz dar.

Bergahorn: Diese Baumart gedeiht besonders gut in kühl-feuchtem Klima, sein Hauptverbreitungsgebiet liegt in den mittleren bis höheren Lagen unserer Gebirge. Ältere Ahornbäume sind eher lichtbedürftig, junge Pflanzen sind hingegen ausgesprochen schattentolerant. Der Bergahorn wurzelt auch in Geröllhalden und festigt sie so. Weil selbst große Stammwunden sehr gut ausheilen, eignet er sich hervorragend für den Steinschlagschutz, allerdings ist er frostempfindlicher als Nadelbäume.

Schutzwaldbäume versus Naturgefahren

Steinschlag: Bäume sind Hindernisse, bremsen oder stoppen stürzende Steine und halten mit ihren Wurzeln die Bodenschicht zusammen. Den besten Schutz bietet ein dichter, stufig aufgebauter Wald mit einer Mischung verschiedener Baumarten, die Verletzungen gut ausheilen können. Weil selbst große Stammwunden beim Bergahorn gut überwallen, eignet er sich hervorragend für den Steinschlagschutz. Aufgrund der auftretenden Stammfäule bei Verletzungen ist die Fichte weniger gut geeignet.

Lawinen: Ein Wald kann in erster Linie den Anriss von Lawinen verhindern. Ein wintergrüner Wald fängt beträchtliche Mengen des Neuschnees in seinen Baumkronen auf. Zusätzlich beeinflusst das Bestandesklima kleinräumige Wind- und Temperaturunterschiede und die durch Bäume, Stöcke und liegendes Holz verursachte Bodenrauigkeit den Schneedeckenaufbau. Im geschlossenen Waldbestand wird die Schneedecke dadurch deutlich weniger mächtig und ist stärker strukturiert als im offenen Gelände. So verhindert ein reich strukturierter Wald die Entstehung einer gleichförmigen Schneedecke, die sich in Bewegung setzen kann. Die Bremswirkung des Waldes in der Sturzbahn ist hingegen gering. Im Auslaufgebiet (geringe Lawinengeschwindigkeiten) kann der Wald die Reichweite von Lawinen reduzieren.

Hochwasser: Der Wald dosiert die Abflussmenge von Hochwasser. Durch die Verdunstung schaffen die Bäume freie Wasserspeicherkapazität im Boden. Die Baumkronen halten Wasser zurück und verdunsten es. Bis zu 30 Prozent des jährlichen Niederschlags kann so vom Wald zurückgehalten werden.

Rutschungen: Die Wurzeln der Bäume befestigen den Boden und entziehen ihm Wasser. Die festigende Wirkung der Wurzeln hilft nur bei flachgründigen Rutschungen.

 

Es gibt keinen idealen Schutzwald, der für alle Höhenlagen und Prozesse geeignet ist. Besonders Lawinenschutzwälder benötigen einen dichten Bewuchs aus überwiegend wintergrünen Baumarten, um den Abbruch von Lawinen verhindern zu können, aber auch Steinschlagschutzwälder dürfen nicht zu locker sein, um die Steine aufhalten zu können. Rotten (Gruppen von Bäumen verschiedenen Alters) sind bei den extremen Umweltbedingungen in Hochlagen ein wichtiges Stabilisierungselement, das gilt besonders für die hochmontanen und subalpinen Fichtenwälder um dort eine Struktur zu schaffen. In tieferen Lagen werden keine Rotten ausgebildet.  

Waldtypisierung soll Waldeigentümer bei der Baumartenauswahl unterstützen

Der Schutzwald hat in Österreich einen hohen Stellenwert. Aus diesem Grund wird bis 2023 eine klimabezogene Standort- und Waldtypenklassifikation für alle Standort- und Objektschutzwälder in Österreich erhoben. Diese soll gezielt eine geeignete Baumartenzusammensetzung auf bestimmten Waldstandorten empfehlen und eine nachhaltige Bewirtschaftung unterstützen.

Baumarten im Schutzwald
    Quelle
Baumarten im Schutzwald

52% Fichte
17% Lärche
13% Buche 
 7% Zirbe
 6% sonstiges Nadelholz
 6% sonstiges Laubholz 

ÖWI 2007/ 09
Natürliche oder Naturnahe Baumartenzusammensetzung 61 Prozent der Waldfläche MONE 2015 - Indikatorenbericht

 

Veröffentlicht am 13.03.2020, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/4)

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