Woche des Schutzwaldes 2026: Nach dem Sturm wächst neue Sicherheit im Land Vorarlberg

Der Schutzwald spielt gerade in einem gebirgigen und wasserreichen Land wie Vorarlberg eine lebenswichtige Rolle – vor allem zur Prävention von Schäden durch Naturgefahren. Zum Start der heurigen Schutzwaldwoche (5. bis 9. Oktober 2026) präsentieren Landesrat Christian Gantner, Landesforstdirektor Andreas Amann und Sektionsleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) Gerald Jäger zwei Beispiele, die die Bedeutung eines intakten Schutzwaldes eindrucksvoll sichtbar machen: Im neuen Flächenwirtschaftlichen Projekt (FWP) St. Gallenkirch wird der Schutzwald nach einem massiven Windwurf und darauffolgendem Borkenkäferaufkommen wiederhergestellt. Der im letzten Jahr eröffnete Aktionsraum Naturgefahren Montafon schafft einen Ort der Bewusstseinsbildung und der Sensibilisierung im Umgang mit den Auswirkungen des sich verändernden Klimas.

Der Schutzwaldpflege wird in Vorarlberg seit vielen Jahren besonderes Augenmerk gewidmet. Die Erhaltung und Verbesserung der Schutzwirkungen des Waldes zählt auch zu den großen Schwerpunkten der Vorarlberger Waldstrategie 2030+. „Unsere Schutzwälder schützen Verkehrswege und Siedlungsräume vor Lawinen, Muren, Steinschlag und Rutschungen – sie sind damit ein unverzichtbarer Schutz für Mensch, Tier und Natur. Ohne intakte Schutzwälder wären rund zwei Drittel des Siedlungsraumes in Vorarlberg nicht bewohnbar“, betont Landesrat Gantner.

Flächenwirtschaftliches Projekt St. Gallenkirch: Wiederbewaldung nach massivem Windwurf

Nach einem großflächigen Windwurf im August 2023 wurde in St. Gallenkirch die Ausarbeitung eines neuen Flächenwirtschaftlichen Projekts (FWP) notwendig. Im Bereich Seggeswald-Beerböda waren große Waldflächen geschädigt. In den Folgejahren kamen durch Borkenkäferbefall weitere Schadholzmengen hinzu – insgesamt bislang rund 13.000 Festmeter Holz. Die verfügbaren Mittel des FWP 2010 wurden für die Aufarbeitung der Schäden aufgebraucht. Nun liegt der Schwerpunkt auf der Wiederbewaldung mit standortgemäßen und klimafitten Baumarten. Die Gemeinde St. Gallenkirch stellte im April 2024 den Antrag für das neue FWP.

„In St. Gallenkirch sehen wir, wie rasch Sturm und Borkenkäfer einen Schutzwald schwer schädigen können. Seine Schutzwirkung wieder aufzubauen, braucht hingegen viele Jahre, gar Jahrzehnte, kontinuierliche Arbeit und verlässliche finanzielle Mittel. Mit der Wiederbewaldung und den begleitenden Schutzmaßnahmen investieren wir unmittelbar in die Sicherheit der Menschen. Was wir heute pflanzen und pflegen, soll auch kommende Generationen schützen“, so Landesrat Gantner.

Das Gesamtvolumen des Projekts beträgt 3,4 Millionen Euro, die Umsetzung ist für den Zeitraum 2025 bis 2044 vorgesehen. Projekt- und Finanzierungspartner sind das BMLUK (57%), das Land Vorarlberg (19%), das Land Vorarlberg als Straßenerhalter (4%), die Gemeinde St. Gallenkirch (17%) sowie die illwerke vkw AG (3%). Planung und Umsetzung erfolgen in enger Zusammenarbeit zwischen dem Forsttechnischen Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung, der Gebietsbauleitung Bludenz und dem Landesforstdienst mit den zuständigen Waldaufsehern.

Allein in den Jahren 2025 und 2026 wurden bereits rund 764.000 Euro investiert. Neben technischen Schutzmaßnahmen werden umfangreiche forstliche Arbeiten durchgeführt. Für die Schadholzaufarbeitung wurden 18 Seilbahnanlagen mit insgesamt rund 11.000 Laufmetern eingesetzt. Rund 13.000 Festmeter konnten bereits aufgearbeitet und verwertet werden. Zusätzlich musste eine rund 2,1 Kilometer lange Forststraße angelegt werden. An besonders steilen und unmittelbar gefährdeten Stellen wurden rund 70 Laufmeter Stahlwerke und rund 90 Gleitschutzböcke errichtet. Bislang wurden bereits rund 32.000 Forstpflanzen (Fichte, Weißtanne, Lärche, Bergahorn, Rotbuche, Eberesche) gesetzt.

Der Bereich Seggeswald-Beerböda ist als Objektschutzwald für den zentralen Bereich der Gemeinde St. Gallenkirch von besonderer Bedeutung. Dieser Projektteil umfasst rund 109 Hektar, davon sind derzeit etwa 28 Hektar ohne Schutzwaldbestand. Ziel aller Maßnahmen ist es, die Schutzwirkung des Waldes wiederherzustellen und langfristig zu sichern. Damit sollen Siedlungsbereiche und wichtige Infrastrukturen in St. Gallenkirch insbesondere vor Lawinen und Steinschlag geschützt werden. Gleichzeitig leisten die Maßnahmen einen Beitrag zum Wasserrückhalt in den Einzugsgebieten. Aus den heute geschädigten Flächen soll in den kommenden Jahren wieder ein stabiler, standortgemäßer und klimafitter Schutzwald entstehen – zum Schutz der Bevölkerung und der Infrastruktur in St. Gallenkirch.

Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung im Aktionsraum Naturgefahren Montafon

Das Montafon ist aufgrund seiner Größe und Höhenerstreckung das am stärksten von alpinen Naturgefahren geprägte Tal Vorarlbergs. Dementsprechend wurde hier auch schon vor über 100 Jahren, nach der Hochwasserkatastrophe in Vandans im Jahr 1910, der Bauhof der Gebietsbauleitung Bludenz der Wildbach- und Lawinenverbauung eingerichtet. Direkt daneben wurde nun in Zusammenarbeit von Wildbach- und Lawinenverbauung, Stand Montafon, Gemeinde Vandans und Montafoner Museen ein Aktionsraum zum Thema alpine Naturgefahren und Klimawandel geschaffen und 2025 feierlich eröffnet.

Der Aktionsraum Naturgefahren Montafon ist ein Ort für Information und Veranstaltungen zur Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung im Umgang mit den Auswirkungen des sich ändernden Klimas. Die Ausstellung greift zahlreiche historische Katastrophenereignisse von der frühen Neuzeit bis ins frühe 21. Jahrhundert auf. Sie veranschaulicht deren Ausmaß und zeigt, wie die Menschen mit Naturgefahren umgegangen sind. Dabei wird insbesondere die wichtige Rolle des Waldes hervorgehoben.

Ziele des Aktionsraumes

  • Bildungsstandort zur Vermittlung von Wissen zu den Themen Naturgefahren, Klimawandel und Schutzwald für Einheimische und Gäste, für Jung und Alt, für Laien sowie Expertinnen und Experten.
  • Bewusstseinsbildung über das komplexe Zusammenspiel unterschiedlicher Naturgefahren, die Notwendigkeit und Chancen der Wildbachverbauung in Vergangenheit und Gegenwart, das empfindliche Gleichgewicht des alpinen Lebensraums Vorarlberg und insbesondere im Montafon sowie die Rolle unseres Wirtschaftens, Arbeitens und Lebens darin.
  • Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Zukunft, den Auswirkungen des Klimawandels auf unseren Lebensraum und den Möglichkeiten der Klimawandelanpassung durch Aktionen und Veranstaltungen am Standort.
  • Bildungsort für Schulklassen oder andere Gruppen, die vor Ort Wissen über Naturgefahren, Klimawandel und Forstwirtschaft erwerben und durch Aktionen vertiefen können.

Schutzwaldpflege in Vorarlberg

Rund die Hälfte des Waldes in Vorarlberg – 49.000 von insgesamt 97.600 Hektar Waldfläche – erfüllt eine Schutzfunktion für Siedlungsgebiete und Infrastruktur. Im Schutzwald geht es darum, eine funktionsfähige Dauerbestockung aus verschiedenen standortangepassten Baumarten und mit einer stabilen Waldstruktur zu schaffen bzw. zu erhalten. Schutzwälder benötigen – mehr noch als reine Wirtschaftswälder – intensive standortangepasste Pflege, um gegen die Einwirkungen von Elementargefahren und Klimaänderungen widerstandsfähig zu sein. Die Verjüngung mit geeigneten Baumarten ist dafür die Voraussetzung. Mangelnde Pflege, Naturereignisse wie Lawinen, Massenbewegungen, Sturm, Waldbrand, Schnee- und Eisbruch sowie Erosion und Borkenkäferbefall können Schutzwälder schwer schädigen oder zerstören. Die dann erforderliche rasche Wiederherstellung der Schutzwirkung ist letztlich auch eine Kostenfrage. Technische Verbauungen können dabei eine notwendige Ergänzung sein, aber nie die Erhaltung und natürliche Sanierung der Schutzwälder ersetzen.

„Mit dem Pflanzen allein ist es nicht getan. Die jungen Bäume müssen zu einem stabilen Schutzwald heranwachsen und brauchen dafür über viele Jahre gezielte Pflege. Hier wird deutlich, was ‚Schützen durch Nützen‘ wirklich bedeutet: Wer unseren Schutzwald verantwortungsvoll bewirtschaftet, übernimmt Verantwortung für die Sicherheit von Generationen. Mein Dank gilt allen, die diese anspruchsvolle Arbeit leisten – gerade auch im steilen und schwer zugänglichen Gelände“, so Landesrat Gantner.

Wie entscheidend die Aufgaben und Funktionen des Schutzwaldes tatsächlich sind, zeigt sich auch an seiner vielfältigen Ausprägung. Grundsätzlich kann zwischen drei Arten von Schutzwald unterschieden werden, erläutert Landesforstdirektor Amann:

  • Standortschutzwälder sichern ihren eigenen Standort, wenn dieser durch abtragende Kräfte (Wind, Wasser, Schwerkraft) gefährdet ist. Das erfordert eine besondere Behandlung zum Schutz des Bodens und des Bewuchses sowie zur Sicherung der Wiederbewaldung.
  • Objektschutzwälder schützen Menschen, Siedlungen, Infrastruktur oder kultivierten Boden vor Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag oder Rutschungen und speichern abfließendes Niederschlagswasser.
  • Bannwälder sind mit Bescheid definierte Objektschutzwälder zur direkten Abwehr bestimmter Gefahren. Die Bannlegung bedeutet, dass erforderliche Maßnahmen und Unterlassungen von der Forstbehörde vorgeschrieben werden. Falls dadurch finanzielle Nachteile entstehen, haben Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer Anspruch auf Entschädigung.

Die unterschiedlichen Arten von Schutzwald verdeutlichen, welch vielfältige Aufgaben der Wald in unserem Lebensraum erfüllt. „Die Schutzfunktionen des Waldes gilt es der Bevölkerung stärker ins Bewusstsein zu rufen. Ein intakter Schutzwald ist keine Selbstverständlichkeit. Er braucht ausreichende finanzielle Mittel und Menschen, die ihn verantwortungsvoll bewirtschaften und pflegen. Wer seine Bedeutung für unsere Sicherheit kennt, versteht auch, warum diese Arbeit und die dafür notwendigen Investitionen unverzichtbar sind. Genau darauf machen wir heute im Rahmen der österreichweiten Aktionswoche des Schutzwaldes aufmerksam“, erläutert Landesrat Gantner.

Bundesweites „Aktionsprogramm Schutzwald: Wald schützt uns!“

Die Aktionswoche ist Teil des bundesweiten Aktionsprogramms „Schutzwald: Wald schützt uns!“, das gemeinsam mit Expertinnen und Experten sowie regionalen Akteurinnen und Akteuren aus der Praxis erarbeitet wurde, um dieses Bewusstsein zu stärken und die Schutzfunktionen des Waldes langfristig zu sichern. Es beinhaltet zahlreiche strategische Maßnahmen und konkrete Projekte, um den Schutzwald österreichweit dauerhaft zu stärken.

Ziele und Inhalte des Aktionsprogrammes

  • Rasche Wiederherstellung bzw. Ausbau der Schutzwirkung der Wälder in Österreich erreichen: Im Schutzwald ist der Schutzzweck übergeordnet.
  • Verstärktes Bewusstsein dafür entwickeln, welche Leistungen der Wald zum Schutz des Eigentums und Lebensraums leistet – und damit Begünstigte zu Beteiligten machen.
  • Schutzwälder werden klimafit und resilienter gegen biotische (Borkenkäfer) und abiotische (Windwurf und Schneedruck) Gefahren und deren Folgewirkungen.
  • Raumnutzungsansprüche an den Schutzwald sind nachhaltig und ausgewogen.
  • Akteure, die den Nutzen haben, beteiligen sich angemessen an den Maßnahmen zur Sicherung des Schutzwaldes.
  • Die Bewirtschaftung der Schutzwälder soll für Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer attraktiv sein.
  • Schutzwald ist ein wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere sowie Erholungsraum für Menschen.
  • Forschung und Ausbildung erweitern die Wissensbasis für Anpassungen im Schutzwald.
  • Das Schutzwaldmanagement erfolgt effizient und wirkungsorientiert.
  • Auch über die Grenzen hinaus ist eine europäische Schutzwaldpolitik notwendig.

Forsttechnischer Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung

Eine wesentliche Partnerin bei der Sicherung der Schutzfunktion des Waldes ist die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV). Der Forsttechnische Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung ist eine nachgeordnete Dienststelle des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK). Die Sektion Vorarlberg besteht aus den Gebietsbauleitungen Bregenz (zuständig für die Bezirke Bregenz, Dornbirn und Feldkirch) und Bludenz (zuständig für den Bezirk Bludenz).

„Über 80 Prozent der Landesfläche Vorarlbergs liegen in Einzugsgebieten von Wildbächen und Lawinen. Entsprechend groß ist die Bedeutung einer engen Abstimmung zwischen Verbauungsmaßnahmen seitens der Wildbach- und Lawinenverbauung und der Schutzwaldpflege. Unsere Aufgabe ist es, mit technischen Maßnahmen die naturgegebene Schutzfunktion zu unterstützen“, so Sektionsleiter Gerald Jäger.

Zahlen zur Wildbach- und Lawinenverbauung in Vorarlberg

  • 42             Flächenwirtschaftliche Projekte
  • 809           Wildbacheinzugsgebiete
  • 1.683        Lawineneinzugsgebiete
  • 87             Gefahrenzonenpläne der Gemeinden
  • 30.650      Bauwerke der Wildbach- und Lawinenverbauung
  • 36             Mitarbeitende (Verwaltung/Technik)
  • 75             Arbeiter auf den Baustellen

Die Wildbach- und Lawinenverbauung investiert in Vorarlberg jährlich rund 21 Millionen Euro in Schutzbauten und in Flächenwirtschaftliche Projekte. Davon sind ca. 11,5 Millionen Euro Bundesmittel und ca. 3,9 Millionen Euro Landesmittel.

Artikelquelle: Landesforstinspektion Vorarlberg, Presse Land Vorarlberg

Veröffentlicht am 05.10.2026

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