Am zweiten Tag der „Woche des Schutzwaldes 2026” dürfen wir Sie mit den wichtigsten Fakten und Zahlen zum Schutzwald in Österreich vertraut machen. Hier finden Sie eine fundierte Übersicht der Kennzahlen.
Österreichs Schutzwald – Fakten
- Österreich gehört mit einem Gebirgsanteil von zwei Drittel der Staatsfläche zu den gebirgigsten Ländern Europas. In der alpin geprägten Landschaft sind Schutzwälder von besonderer Bedeutung für die Sicherung des menschlichen Lebens- und Siedlungsraumes.
- In Österreich beschreibt und definiert das Forstgesetz die Schutzfunktionen des Waldes. Dabei unterscheidet es unter dem Überbegriff „Schutzwald“ zwischen Standortschutzwald, Objektschutzwald und Bannwald.
- Standortschutzwälder sind Wälder, deren Standort durch die abtragenden Kräfte von Wind, Wasser oder Schwerkraft gefährdet ist. Sie erfordern eine besondere Behandlung zum Schutz des Bodens und des Bewuchses sowie zur Sicherung der Wiederbewaldung.
- Objektschutzwälder sind Wälder, die Menschen, Siedlungen, Infrastrukturanlagen oder kultivierten Boden vor Elementargefahren und schädigenden Umwelteinflüssen schützen. Sie halten unter anderem Lawinen und Steine auf, vermeiden Rutschungen und speichern abfließendes Niederschlagswasser. Sie erfordern eine besondere Behandlung zum Sicherstellen ihrer Schutzwirkung.
- Bannwälder sind mit Bescheid definierte Objektschutzwälder zur direkten Abwehr bestimmter Gefahren. Die Bannlegung bedeutet, dass erforderliche Maßnahmen und Unterlassungen von der Forstbehörde vorgeschrieben werden. Falls dadurch finanzielle Nachteile entstehen, haben Waldeigentümer Anspruch auf Entschädigung.
Österreichs Schutzwald – Zahlen und Daten
- 42 % der Gesamtwaldfläche in Österreich besitzen eine potenzielle erhöhte oder hohe Schutzfunktion gemäß der Hinweiskarte Schutzwald (Quelle: www.schutzwald.at/karten); davon sind rund 18 % als „Wald mit direkter Objektschutzfunktion“ (ca. 700.000 ha) klassifiziert.
- Ohne die Schutzfunktion des Waldes könnten knapp 50 % des Lebens- und Wirtschaftsraumes in Österreich nicht genutzt werden.
- Jede 4. in Österreich lebende Person profitiert direkt von der Schutzwirkung des Waldes.
- Schutzwaldgemeinden in Österreich (mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent potentieller Wälder mit Schutzfunktion gegen Naturgefahren im Gemeindegebiet): 600 (von insgesamt 2095 Gemeinden in Österreich); 28,6 Prozent (Quelle: BMLUK)
- In Österreich gibt es aktuell 535 Bannwaldflächen (gemäß § 27 ForstG 1975; genehmigter Bescheid liegt vor) mit rund 13.000 ha Fläche (Quelle: Landesforstdirektionen).
- Rund 7 % (ca. 260.000 ha) der Waldfläche weisen eine Wohlfahrtsfunktion auf (= Einfluss des Waldes auf die Umwelt, Quelle: Waldentwicklungsplan).
- Auwaldflächen: 53.062 ha (Quelle: BFW-Machbarkeitsstudie: Endbericht zum Aufbau einer Digitalisierungsinitiative Schutzwald, Jänner 2024)
- Verjüngungszustand im Schutzwald: In Wäldern mit direkter Objektschutzfunktion besteht auf rund 140.000 ha Fläche eine Verjüngungsnotwendigkeit. In Wälder mit indirekter Objekt- und/oder Standortschutzfunktion sind ca. 280.000 ha betroffen. Der Pflanzenbedarf zur Aufforstung von Beständen mit Verjüngungsnotwendigkeit in Wäldern mit direkter Objektschutzfunktion beträgt bei alleiniger Kunstverjüngung 210-350 Millionen Forstpflanzen und entspricht ungefähr dem 10fachen der derzeitigen jährlichen Pflanzenproduktion Österreichs. Daher kann der Verjüngungsbedarf nicht ausschließlich mit Aufforstungen gedeckt werden, sondern sollte durch eine Kombination aus gezielten Aufforstungen und einer besseren Förderung der Naturverjüngung erreicht werden.(Quelle: BFW-Projekt „Evaluierung des Bedarfs an möglichen Saat- und Pflanzgut für den Schutzwald; 2024).
- Priorisierung von Interventionen im Wald mit direkter Objektschutzfunktion: Aufgrund von Schutz- und Schutzwirkungsdefiziten besteht ein Handlungsbedarf auf rund 127.000 ha. Davon haben 41.000 ha höchste Priorität in den nächsten 3 Jahren (BFW-Projekt: Prio-SCHU-WA).
- 14 Milliarden Euro jährlich der Österreichischen Wirtschaftsleistung hängen von der Schutzfunktion der Wälder ab. Wälder mit direkter Objektschutzfunktion schützen Siedlungen und Infrastruktur und beeinflussen das Risiko von Schäden durch Schneelawinen, Steinschlag und flachgründigen Bodenrutschungen auf rund 299.000 ha nicht bewaldeter Fläche. 98.000 ha potenziell geschützter Raum sind vollständig durch die Schutzwirkung geschützt. (Waldfonds-Projekt: ÖKO-SCHU-WA; Projektergebnis 2025).
- Eigentum verpflichtet – allerdings sind im Objektschutzwald Waldeigentümer nur insoweit zu Maßnahmen verpflichtet, als die Mehrkosten durch öffentliche Mittel oder Zahlungen durch Begünstigte abgedeckt sind.
- Geringere Nutzungsanreize für die Waldeigentümer durch (teils extrem hohe) Aufschließungs- und Erntekosten auf Schutzwald-Flächen - daher lokal bedingte starke strukturelle Überalterung der Schutzwaldbestände.
- Fokussierter Fördermitteleinsatz auf Waldflächen mit Objektschutzwirkung im Rahmen der VO Ländliche Entwicklung, des Waldfonds sowie Einsatz von Investitionsmittel aus dem Katastrophenfonds (Investitionen der WLV und der Länder).
- Aktuell gibt es 124 aktive Bundes (WLV) und 78 aktive Landes – Flächenwirtschaftliche Projekte mit Fokus im Objektschutzwald (forstlich-biologische und technische Maßnahmen).
- Gesamtinvestitionsvolumen der WLV in Flächenwirtschaftliche Projekte: ca. 15 Mio. Euro pro Jahr.