Woche des Schutzwaldes 2026: MOSAIC-Projekt - innovative Lösungen für klimafitte SW in den Alpen

Wie verändern Klimawandel, Waldbrand, Windwurf und andere Störungen die Schutzwirkung von Wäldern im Alpenraum?

Das transnationale Interreg-Alpine-Space-Projekt MOSAIC, kurz für „Managing prOtective foreSt fAcing clImate Change compound events“, hat dazu Daten gesammelt sowie Modelle und praxisnahe Entscheidungshilfen entwickelt.

Zwölf Partner aus Forschung und Praxis in Frankreich, Italien, Österreich, Slowenien, der Schweiz und Deutschland entwickelten gemeinsam Lösungen für den Alpenraum. Koordiniert wurde MOSAIC vom französischen Forschungsinstitut INRAE. Österreich war durch das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) und das International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) vertreten.

Schutzwälder als naturbasierte Lösung

Schutzwälder reduzieren Risiken durch Lawinen, Steinschlag und andere Naturgefahren. Gleichzeitig speichern sie Kohlenstoff, regulieren den Wasserhaushalt, bieten Lebensraum und prägen die alpine Landschaft. Damit sind sie eine wichtige naturbasierte Lösung für Klimaanpassung und Naturgefahrenvorsorge. Durch steigende Temperaturen, veränderte Niederschläge und häufigere Extremereignisse geraten diese Wälder jedoch zunehmend selbst unter Druck.

Besonders herausfordernd sind sogenannte „Compound Events“, also kombinierte oder kaskadierende Ereignisse. Hier wirken mehrere Stressfaktoren und Störungen zusammen, etwa Waldbrand, anschließende Erosion und eine geschwächte Schutzwirkung gegenüber Steinschlag oder Lawinen. MOSAIC betrachtete deshalb Klimaentwicklung, Waldökosysteme, Naturgefahren und Schutzwaldbewirtschaftung gemeinsam.

Klimarisiken im WebGIS-Atlas sichtbar machen

Ein zentrales Ergebnis ist der öffentlich zugängliche Alpine Climate Change WebGIS Atlas mit Karten, Daten, Modellen und Fallbeispielen. Nutzerinnen und Nutzer können klimabedingte Risiken räumlich erkunden und verfügbare Daten für weitere Analysen herunterladen.

INRAE und das Office national des forêts (ONF) untersuchten beispielsweise für 28 Baumarten, wie sich deren potenzielle räumliche Eignung unter drei Klimaszenarien verändert. Diese Ergebnisse wurden mit Modellierungen des IIASA zur zukünftigen Waldbrandgefahr kombiniert. Daraus entstand ein Hotspot-Ansatz, der Gebiete mit besonderer klimatischer Gefährdung sichtbar macht.

Modelle und Training für den Schutzwald

MOSAIC verbesserte Modelle und Datengrundlagen zu Waldstörungen wie Waldbrand, Windwurf und Borkenkäferbefall sowie zu Naturgefahren wie Steinschlag und Lawinen. Diese Werkzeuge helfen zu untersuchen, wie Störungen die Schutzwirkung von Wäldern beeinflussen und welche Rolle beispielsweise liegendes Totholz für den Lawinen- oder Steinschlagschutz spielt.

Das BFW entwickelte ein Decision Support Tool für die räumlich explizite Bewertung der verbleibenden Schutzwirkung von Windwurfflächen gegenüber Lawinenanbrüchen. Dieses Open-Source-Werkzeug verarbeitet 3D-Punktwolken, die mittels drohnengestützter Photogrammetrie oder LiDAR erhoben werden. Auf dieser Grundlage schätzt es für unterschiedliche Schneehöhen die verbleibende Schutzwirkung jeder einzelnen Rasterzelle ab.

In fünf Alpenländern wurden zudem Marteloskope für Schulungen im Schutzwald eingerichtet. Auf diesen Trainingsflächen können waldbauliche Eingriffe simuliert und ihre Auswirkungen auf Bestandesentwicklung, Wirtschaftlichkeit, Mikrohabitate und Schutzwirkung verglichen werden. Das in MOSAIC entwickelte Schutzwaldmodul wurde in den I+ Trainer des European Forest Institute integriert.

Das österreichische Marteloskop wurde vom BFW im Mustereinzugsgebiet Rindbach in Oberösterreich eingerichtet. Es bietet eine dauerhafte Infrastruktur, um Fragen der adaptiven Schutzwaldbewirtschaftung direkt im Bestand zu diskutieren und unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zu erproben.

Praxiswissen in fünf Sprachen

Der illustrierte Leitfaden „Protective Forest Management in the Alps: An Illustrated Guide“ bereitet wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen zur Stärkung widerstandsfähiger Schutzwälder verständlich auf. Er ist auf Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Slowenisch verfügbar.

Der WebGIS-Atlas wurde vom IIASA gemeinsam mit den MOSAIC-Projektpartnern, darunter das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, entwickelt und bleibt mindestens fünf Jahre über das Projektende hinaus zugänglich. Das Marteloskop-Netzwerk wird über das European Forest Institute weitergeführt. Damit hinterlässt MOSAIC eine langfristig nutzbare Wissens- und Trainingsinfrastruktur für klimafitte Schutzwälder im Alpenraum.

MOSAIC-Ergebnisse auf einen Blick

  • Alpine Climate Change WebGIS Atlas:
    Frei verfügbare Modelle und Daten zu Naturgefahren und Waldstörungen, Karten und Fallbeispiele sowie der illustrierte Leitfaden in fünf Sprachen
    https://alpineresilience.org/
  • EFI I+ Trainer:
    Schutzwald-Marteloskope und digitales Trainingsmodul für die adaptive Schutzwaldbewirtschaftung
    http://iplus.efi.int/

Autor:innen

Dr. Michaela Teich, Bundesforschungszentrum für Wald (BFW);

Dr. Florian Kraxner, Dr. Andrey Krasovskiy, International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA)

Veröffentlicht am 07.10.2026