LHStv. Gruber: Woche des Schutzwaldes rückt Bedeutung unserer Wälder in den Mittelpunkt – Neuer Beispielsflächenkatalog zeigt auf 83 Flächen, wie Waldumbau in der Praxis gelingen kann – Fokus liegt auf stabilem und resilientem Mischwald als Antwort auf den Klimawandel.
Schutzwald in Kärnten
Er schützt, ist Lebensraum, bietet Erholung und ist zugleich Einkommensquelle für mehr als 20.000 Kärntner Waldbäuerinnen und Waldbauern: Mit rund 584.000 Hektar bzw. etwa 62 Prozent der Landesfläche prägt der Wald Kärnten wie kaum eine andere Ressource. Welche wichtige Rolle insbesondere seine Schutzfunktion spielt, rückt aktuell die Woche des Schutzwaldes ins Bewusstsein: Rund 257.000 Hektar Schutzwald in Kärnten schützen Menschen, Siedlungen und Straßen sowie Brücken vor Naturgefahren wie Muren, Lawinen oder Steinschlägen. Das sind circa 40 Prozent des Kärntner Waldbestands.
„Diese Zahlen alleine zeigen schon, welche Bedeutung gesunde und stabile Wälder für Kärnten und die Menschen in unserem Land haben“, betont Forstreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber. „Wenn wir ihre vielfältigen Funktionen auch für kommende Generationen erhalten wollen, müssen wir heute die richtigen Weichen für den Wald von morgen stellen.“
Dafür gelte es, die heimischen Bestände rechtzeitig an die sich verändernden klimatischen Voraussetzungen anzupassen.
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Herausforderungen im Schutzwald in Kärnten
Denn Trockenheit, Hitze, Stürme und Schädlinge wie der Borkenkäfer setzen Kärntens Wälder zunehmend unter Druck. Das gilt umso mehr für Schutzwaldbestände, bei denen in den letzten Jahren rund 6.000 Hektar an Schadholz angefallen sind. Das entspricht circa 8.600 Fußballfeldern bzw. dreimal der Fläche des Wörthersees. Vor allem die Risiken einseitiger Nadelholzbestände werden so immer deutlicher sichtbar.
Die wirtschaftlich genutzten Wälder Kärntens bestehen derzeit nämlich zu rund 70 Prozent aus Nadelbäumen, davon wiederum zu 60 Prozent aus Fichten. Umso wichtiger wird daher der aktive Umbau hin zu stabilen, standortangepassten Laub- und Mischwäldern.
„Die vergangenen Jahre haben deutlich gezeigt, dass wir unsere Wälder breiter aufstellen müssen. Dabei geht es nicht darum, überall dieselben Lösungen umzusetzen. Entscheidend ist, welche Baumarten mit den jeweiligen Gegebenheiten und künftigen klimatischen Entwicklungen zurechtkommen und gleichzeitig für unsere Waldbauern wirtschaftlich interessant sind“, so Gruber.
Wie das in der Praxis funktionieren kann, zeigt der neu aufgelegte Beispielsflächenkatalog des Landesforstdienstes. Auf insgesamt 83 ausgewählten Flächen in ganz Kärnten werden unterschiedliche Wege des Waldumbaus dokumentiert. Die Beispiele reichen von den Tallagen bis in den subalpinen Bereich und zeigen neben dem aktuellen Bestand auch die waldbauliche Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte. Damit sollen Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer eine konkrete und praxisnahe Orientierung für den eigenen Wald erhalten.
„Der große Vorteil dabei ist, dass wir nicht nur theoretisch darüber sprechen, wie der Wald von morgen aussehen könnte. Auf diesen Flächen können Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer ganz konkret sehen, was unter unterschiedlichen Bedingungen funktioniert und aus den Erfahrungen anderer lernen. Das ist praxisnahe Beratung direkt aus unseren Wäldern“, erklärt Gruber.
Die Beispiele machen zudem deutlich, dass es nicht die eine Baumart für den Wald der Zukunft gibt. Es werden unterschiedliche Ansätze dokumentiert, darunter heimisches Laubholz wie Bergahorn, alternative Baumarten wie Schwarznuss sowie die Douglasie als Nadelbaumart für trockene Standorte. Entscheidend sind jeweils passende Lösungen, eine langfristige Planung und eine konsequente Pflege. Dabei spielt auch die wirtschaftliche Perspektive eine wesentliche Rolle. So werden Pflegemaßnahmen wie Formschnitt, Wertholzastung und Zielbaumfreistellung ebenso dargestellt wie anwendbare Bewirtschaftungskonzepte. Darüber hinaus zeigt der Katalog, welche Erlöse mit hochwertigen Laubholzsortimenten bei Submissionen erzielt werden können.
„Unsere Waldbäuerinnen und Waldbauern leben von der Bewirtschaftung ihrer Wälder. Deshalb müssen ökologische Stabilität und wirtschaftlicher Nutzen zusammengedacht werden. Die Beispiele zeigen, dass es zur klassischen Fichtenbewirtschaftung Alternativen gibt, die beides miteinander verbinden können“, betont der Forstreferent.
Neben Beratung und Information unterstützt das Land den Waldumbau auch mit Förderungen für die Aufforstung. Hier wurden in den letzten Jahren zweistellige Millionenbeträge aus Förderprogrammen der EU, des Bundes und des Landes investiert. Tausende Jungbäume konnten so gepflanzt werden, insbesondere in den Schadensgebieten im Schutzwald. Auch Waldbesitzer, die Flächen für den Beispielsflächenkatalog zur Verfügung stellen, werden unterstützt.
„Viele Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer leisten hier bereits wertvolle Pionierarbeit. Indem sie ihre Flächen und Erfahrungen zur Verfügung stellen, profitieren auch andere davon. Gleichzeitig unterstützen wir sie gezielt bei der Aufforstung. Denn der Waldumbau ist eine große Aufgabe, die nur gemeinsam und Schritt für Schritt gelingen kann“, so Gruber.
Der Beispielsflächenkatalog ist digital auf der Website des Landes verfügbar. Zusätzlich wird er als gedrucktes Nachschlagewerk angeboten, das direkt über die zuständige Fachabteilung des Landes oder die Bezirksforstinspektionen erhältlich ist. In den Bezirksforstinspektionen, den forstlichen Aufsichtsstationen und der Landesforstdirektion liegen zudem Informationsfolder aus. Für persönliche Beratungen rund um die Flächenbeispiele stehen die Bezirksförsterinnen und Bezirksförster zur Verfügung.
Artikelquelle
Rückfragehinweis: Büro LHStv. Gruber
Redaktion: Christina Scherzer / Versand: Markus Böhm
Fotohinweis: Büro LHStv. Gruber
Fotohinweis (Waldbilder): Landesforstdirektion Kärnten
Quelle: Land Kärnten