Woche des Schutzwaldes 2026: Schutzwaldverjüngung durch Waldsaat funktioniert in Kärnten

Die „Woche des Schutzwaldes“ dient als Plattform, um auf die Bedeutung des Schutzwaldes und die Notwendigkeit gemeinsamer Anstrengungen zu seinem Erhalt hinzuweisen. Gerade angesichts zunehmender Schadereignisse stehen die Schutzwälder mehr denn je vor großen Herausforderungen.

Kärntens Schutzwälder unter Druck

Die Schadereignisse der vergangenen Jahre haben deutliche Spuren in den Kärntner Schutzwäldern hinterlassen. Besonders im Oberkärntner Raum sind Kahlflächen in bisher nicht gekannten Dimensionen entstanden.

Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Überalterung vieler Schutzwaldbestände dar. Werden diese Bestände durch Sturm, Borkenkäfer oder andere Kalamitäten großflächig zerstört, fehlt häufig eine bereits vorhandene Vorverjüngung. Der notwendige „forstliche Neustart“ wird dadurch deutlich erschwert.

Die Wiederbewaldungsfristen des Forstgesetzes sehen zwar grundsätzlich ausreichend lange Zeiträume für eine natürliche Verjüngung vor. Aus Sicht der Schutzfunktion ist eine möglichst rasche Wiederbewaldung jedoch von besonderer Bedeutung. Gleichzeitig muss der Produktionsfaktor Boden möglichst rasch wieder durch eine Vegetationsdecke geschützt werden.

Daher gibt es verschiedene Unterstützungsprogramme zur Wiederaufforstung, insbesondere im Bereich des Objektschutzwaldes. Zusätzlich wurden in den vergangenen Jahren in Oberkärnten Waldsaaten mit standortangepassten Pionierbaumarten erprobt und umgesetzt. Ziel ist es, Kahlflächen mit vergleichsweise geringem finanziellem Aufwand rasch wieder zu begründen und zu bewalden.

Insgesamt wurden in Oberkärnten bereits rund 50 Hektar mit Waldsaaten bearbeitet.

Erste Ergebnisse sind vielversprechend

Eine der ersten Saatflächen wurde im Herbst 2024 angelegt und im August 2026 – nach zwei Vegetationsperioden – erstmals detailliert erhoben.

Die rund 4,5 Hektar große Fläche liegt im Oberen Mölltal und ist laut Hinweiskarte Schutzwald als Objektschutzwald ausgewiesen. Die Fläche entstand nach großflächigen Schadholznutzungen und wurde zwischen 2021 und 2023 aufgearbeitet. Begleitend wurden Maßnahmen wie Hochabstockung und Querfällung durchgeführt.

Das Ziel der Waldsaat ist klar: Mit rasch wachsenden Pionierbaumarten soll möglichst schnell wieder ein bestandesähnliches Waldklima geschaffen werden. Dadurch sollen sich in weiterer Folge auch weitere, anspruchsvollere und standortgerechte Folgebaumarten natürlich verjüngen können.

So wurde gesät

Vor der Saat wurde der Boden maschinell verwundet. Dadurch wurden geeignete Keimstellen geschaffen und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Keimung verbessert.

Anschließend wurden im Abstand von rund fünf Metern dosierte Mengen standortgerechter Baumsamen auf die vorbereiteten Saatplätzen ausgebracht. Zum Einsatz kamen:

  • Birke
  • Vogelbeere
  • Lärche

Das Mischungsverhältnis auf den Saatplätzen betrug 7/10 Birke, 2/10 Vogelbeere und 1/10 Lärche. Diese Zusammensetzung wurde im Jahr 2024 maßgeblich durch die Verfügbarkeit von geeignetem Saatgut bestimmt.

Nach zwei Jahren: deutlicher Verjüngungserfolg

Im August 2026 wurde die Fläche systematisch untersucht. Auf den 4,5 Hektar wurden 40 Erhebungspunkte mit jeweils 25 m² großen Trakten aufgenommen. Erfasst wurden unter anderem Baumart, Pflanzenhöhe und Verbiss.

Die Ergebnisse sind äußerst erfreulich: Insgesamt konnten in den Aufnahmeflächen bereits 11 verschiedene Baumarten festgestellt werden.

Besonders erfolgreich haben sich die gesäten Pionierbaumarten etabliert:

  • Birke: auf 72 % der Erhebungspunkte
  • Vogelbeere: auf 50 % der Erhebungspunkte
  • Lärche: auf 23 % der Erhebungspunkte

Hochgerechnet ergibt sich eine Stammzahl von rund 2.800 Bäumen pro Hektar. Rund 1.900 Stück pro Hektar sind dabei auf die gezielt gesäten Baumarten zurückzuführen.

Bemerkenswert ist auch die Verteilung der Höhenklassen der jungen Bäume: 81 % der erhobenen Pflanzen sind kleiner als ein Meter. Damit befindet sich die Verjüngung zwar noch in einer frühen Entwicklungsphase, ist jedoch bereits flächendeckend vorhanden.

Kostengünstige Alternative zur Aufforstung

Die ersten Ergebnisse zeigen, dass Waldsaaten auf geeigneten Flächen eine interessante und vielversprechende Ergänzung zur klassischen Aufforstung darstellen können. Im Vergleich zur herkömmlichen Pflanzung sind die Kosten deutlich geringer.

Vor allem in großflächig entstandenen Kahlflächen kann die Waldsaat daher eine praktikable Möglichkeit sein, mit vergleichsweise geringem Aufwand eine ausreichende Verjüngung einzuleiten und die Verjüngungszeiträume zu verkürzen.

Dabei geht es nicht darum, die klassische Aufforstung generell zu ersetzen. Vielmehr kann die Waldsaat dort eine wertvolle Alternative oder Ergänzung darstellen, wo die standörtlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind.

Weitere Saaten geplant

Die heurige Erntesituation bei verschiedenen Baumarten lässt eine gute Verfügbarkeit von geeignetem Saatgut erwarten. Daher sind weitere Waldsaaten im Oberkärntner Schutzwald geplant. Auskünfte dazu erteilen die Leiter der betroffenen Forstaufsichtsstationen Kötschach, Dellach im Drautal, Greifenburg, Obervellach und Winklern gerne.

Die bisherigen Erfahrungen aus dem Oberen Mölltal zeigen eindrucksvoll:

  • Schutzwaldverjüngung durch Waldsaat kann erfolgreich funktionieren.

Waldsaaten können damit einen wichtigen Beitrag leisten, um großflächige Schadflächen rascher wieder zu bewalden, den Waldboden zu stabilisieren, zu schützen und die Schutzwirkung des Waldes langfristig wiederherzustellen.

Autor/Quelle

Mag. Thomas Brandner

Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung 10 - Land- und Forstwirtschaft, Ländlicher Raum – Unterabteilung Forstwirtschaft

E-Mail: thomas.brandner@ktn.gv.at

Mobil: +43 664 – 8053611312

Veröffentlicht am 08.10.2026