Neue Schutzwälder: Hochlagenaufforstungen binden CO₂, wenn auch mit hohem Aufwand

Die untersuchten Hochlagenaufforstungen aus den 1970er Jahren haben sich heute zu stabilen Schutzwäldern entwickelt. Sie schützen vor Naturgefahren und leisten einen Beitrag zum Klimaschutz, indem sie CO₂ aus der Atmosphäre in ihrer Biomasse speichern. Die Etablierung solcher Wälder, besonders im steilen Gelände, erfordert jedoch einen hohen technischen und finanziellen Aufwand. Langfristig fördern regelmäßige Durchforstungen die Entwicklung stabiler Einzelbäume und erhöhen die Bestandesstabilität.

Im LE-Forschungsprojekt BERGAUF untersuchten das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) und die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) Hochlagenaufforstungen, die zwischen 1965 und 1980 in Tirol, Vorarlberg, Kärnten und Salzburg angelegt wurden. Sie bewerteten Bestandesentwicklung, Wachstum, Stabilität und die Kohlenstoffspeicherung. Alle untersuchten Aufforstungen wurden mit Unterstützung der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) als Schutzmaßnahmen gegen Lawinen, Steinschlag oder Hochwasser errichtet und werden bis heute betreut.

Stabile Schutzwälder entstanden

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die meisten Aufforstungen zu geschlossenen und stabilen Schutzwäldern entwickelt haben. Besonders hohe Zuwächse verzeichnete Bschlabs (Tirol), während die Rottenaufforstung am Grappeskopf (Vorarlberg) eine strukturreiche Bestandesentwicklung mit bewusst offenen Bereichen aufweist. Auch die Zirbenaufforstung in Haggen (Tirol) entwickelte sich zu einem stabilen Schutzwald. Waldwachstumskundliche Untersuchungen belegen zudem, dass regelmäßige Durchforstungen die Stabilität der Einzelbäume deutlich verbessern.

Neben dem Aufbau von Biomasse untersuchte das Projekt auch den Bodenkohlenstoff. Insgesamt konnte keine nachweisbare Abnahme der Bodenkohlenstoffvorräte festgestellt werden, allerdings verlagerte sich ein Teil des Kohlenstoffs vom Mineralboden in die weniger stabilisierte organische Auflage. Im Durchschnitt banden die fünf Hochlagenaufforstungen seit ihrer Begründung rund acht Tonnen CO₂ pro Hektar und Jahr.

Klimaschutz

Damit können Hochlagenaufforstungen – zusätzlich zu ihrer zentralen Schutzfunktion – einen relevanten Beitrag zum Klimaschutz leisten. Im Rahmen der künftigen EU-Regelungen zur Zertifizierung von Kohlenstoffentnahmen (CRCF) könnten daraus langfristig zusätzliche Einnahmemöglichkeiten entstehen. Dem stehen allerdings die hohen Kosten der Bestandesbegründung, insbesondere im steilen Gelände, gegenüber. Wo Hochlagenaufforstungen aus Sicht des Naturgefahrenschutzes ohnehin erforderlich sind, sollte die Ökosystemleistung der CO₂-Bindung künftig mitberücksichtigt werden.

Die umfassenden Ergebnisse der BERGAUF-Studie, einschließlich der Untersuchungen zur Biodiversität, wurden im Journal of Environmental Management veröffentlicht. Details zur Bestandesentwicklung der Zirbenaufforstung in Haggen sind in New Forests erschienen.

Artikelquelle: Dr. Andreas Schindlbacher, Dr. Michaela Teich, Bundesforschungszentrum für Wald

Veröffentlicht am 10.08.2026